Textverarbeitung vs. Textsatz – auf welcher Seite der Macht stehst Du?

Hallo und guten Abend liebe LeserInnen,

LaTeX vs. MS Word – oder – Textsatz vs. Textverarbeitung, das ist hier die Frage ­čśë die sich diese Woche stellt. Will man eine Seminar/Semester oder Abschlussarbeit schreiben steht man schnell vor der Wahl, was eingesetzt werden soll. Nicht au├čer acht sollte man auch Tools zur Literaturverwaltung lassen und wie deren Anbindung an das gew├Ąhlte System zum Schreiben der Arbeit beschaffen ist.

Diese Woche sollen wir im Kurs Informationskompetenz dar├╝ber reflektieren – wobei jeder der meine bisherigen Artikel in dieser Rubrik gelesen hat bereits herausgeh├Ârt haben d├╝rfte, f├╝r welches Lager meine Wahl ausfallen wird ­čśë


LaTeX und BibTeX

Es kommt bestimmt auf den Studiengang an, auf welches System (LaTeX mit BibTex oder Word/OpenOffice mit Citavi) die Wahl des Studenten f├Ąllt wenn es an die erste Seminar oder Semesterarbeit geht. Grunds├Ątzlich habe ich die Erfahrung gemacht, schadet es nicht, sich bereits beim Erstellen von Ergebnissen zu den w├Âchentlichen ├ťbungsaufgaben (in den naturwissenschaftlichen Studieng├Ąngen wie z.B. Informatik, Mathe oder Physik uvm.) gang und gebe, mit den Systemen vertraut zu machen und eben in diesen Studieng├Ąngen w├╝rde ich dringend zu LaTeX raten.

Warum? Ganz einfach: mathematische Formel und Zusammenh├Ąnge lassen sich mit LaTeX wesentlich einfacher darstellen als ├╝ber die komplizierten Formeleditoren von Word oder OpenOffice. Die Lernkurve f├╝r LaTeX ist recht steil, das will ich nicht weg reden, aber der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall!

F├╝r ├ťbungsaufgaben ist meist keine Literaturverwaltung notwendig, diese braucht man erst bei Seminaren, wenn man auf die bearbeiteten Paper oder verwendete B├╝cher referenzieren m├Âchte. Hier kommt BibTeX ins Spiel.

BibTeX ist im Prinzip eine einfache Textdatei, in der, mit speziellem Markup codiert, die verwendete Literatur abgespeichert wird. Theoretisch l├Ąsst sich eine solche Datei problemlos mit einem gew├Âhnlichen Texteditor (gedit oder vim) erstellen, Nachteil dabei: die ganzen Markups m├╝ssten bekannt sein und eine vergessene Klammer oder ein falsch gesetztes Komma entstellt den Eintrag in der Arbeit oder l├Ą├čt ihn erst garnicht erscheinen.

KBibTeX ListView

Daher ist es hilfreich ein entsprechendes FrontEnd f├╝r die Erstellung der *.bib Datei zu verwenden. Unter Ubuntu Linux setze ich KBibTeX ein. An diesem Programm sch├Ątze ich besonders, das man nicht nur ├╝ber Masken Eintr├Ąge anlegen kann, man kann auch zum SourceView wechseln und dar├╝ber bestimmte Felder schneller editieren, wenn diese bereits angelegt sind. ├ťber einen zentralen Button lassen sich verschiedene Typen (also Buch, Article, Thesis usw.) von Eintr├Ągen anlegen und im Eingabedialog wird der Nutzer darauf hingewiesen, welche Felder f├╝r diesen Typ als Pflichtfelder auszuf├╝llen sind.

Hat man bereits aus einer Datenbank einen Eintrag im BibTeX Format, so kann man diesen ├╝ber den SourceView einf├╝gen und er wird dann auch im ListView angezeigt.

KBibTeX Source View

Meine BibTeX Dateien habe ich bis jetzt immer so sortiert, das gleiche Dokumenttypen untereinander stehen, also alle B├╝cher z.B. direkt hintereinander kommen. Das erleichtert die Suche wenn mir Zitationsreferenz entfallen ist. Die Referenzen versuche ich markant zu vergeben und den Dokumenttyp einzubringen. In Kombination mit Kile als Editor ist die L├Ąnge der Referenzenmarken nicht so ausschlaggebend, da Kile eine autovervollst├Ąndigung anbietet, sobald \cite{} eingegeben wird.

F├╝r meine BachelorThesis habe ich die Eintr├Ąge gr├Â├čtenteils von hand angelegt, da ich hier viel auf Internetquellen verweisen musste. F├╝r einige B├╝cher habe ich mir bei Amazon die Angaben (Titel, Autor, ISBN) herausgesucht, einfach um Schreibarbeit zu sparen und um Schreibfehler vorzubeugen. W├Ąhrend meines Seminars im vergangenen Semester habe ich entdeckt, dass die Seite ├╝ber die ich von google scholar aus gekommen bin, um die Paper herrunterzuladen, auch eine Exportfunktion f├╝r die BibTeX Eintr├Ąge anbieten, welche ich dankend genutzt habe.

Literaturverwaltung

In den Unterlagen zu dieser Woche wird erw├Ąhnt, das eine *.bib Datei auch “f├╝rs Leben” ist. Das sehe ich nicht so. Ich lege f├╝r jede gr├Â├čere Arbeit eine neue BibTeX Datei an, was verschiedene Gr├╝nde hat. Zum einen haben wichen bis jetzt die Themen sehr stark voneinander ab: meine BachelorThesis behandelte Datenbanken, SQL, PHP, WebServer, Botanik (B├Ąume und Holz) sowie Wachstumsbedinungen und Wettereinfl├╝├če auf B├Ąume und deren Wachstumsverhalten. Mein Seminar behandelte SPAM, Botnetze, email Templates, Filtertechniken, Viren/W├╝rmer/Trojaner und ├Âkonomische Auswirkungen. Klar, beim letztendlichen Erstellen der Ausarbeitung werden nur die Referenzen eingebunden, die auch Zitiert werden, allerdings wird die *.bib Datei schnell un├╝bersichtlich wenn thematisch unterschiedliche Literatur enthalten ist. Wenn man sp├Ąter als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Doktorand dann lange Zeit in einem Themengebiet publiziert kann es hilfreich sein, einen immer wachsenden Datenbestand in der BibTeX Datei zu akkumulieren.

Eine Literaturverwaltung, wie das vorgestellte Citavi aus der ersten Veranstaltungseinheit, habe ich allerdings noch nicht verwendet. Mir hat es bis jetzt gen├╝gt, meine BibTeX Datei verwalten zu k├Ânnen, so dass ich beim Zitieren keine ungeformte Eintr├Ąge in der Quellenangabe hatte.

OpenAccess

Open* ist momentan ein klarer Trend. Alles soll “Open” sein: OpenDocument, OpenGovernment, OpenStreetMap, OpenCV, OpenGL – doch was ist die eigentlich Idee dahinter? Ich verstehe den Trend so: Jedermann soll Zugang zu der entsprechenden Resource haben und sie nutzen k├Ânnen, d.h. insbesondere sollen keine properit├Ąre Formate genutzt werden, die nur von (teurer) Spezialsoftware verarbeitet werden k├Ânnen. OpenDocument zum Beispiel kann als Konkurrent zum properit├Ąren Format von Microsoft (z.B. *.doc / *.docx) verstanden werden.

Bei OpenStreetMap k├Ânnen die Nutzer selbst aktiv und Teil des Projekts werden, indem sie z.B. selbst GPS Daten von Stra├čen erfassen und eintragen. Solche Communityprojekte stehen bekannten Angeboten von Google (Maps) oder Microsoft gegen├╝ber, bieten aber durch ihre Offenheit viele M├Âglichkeiten der Anpassung. In OpenStreetMap werden z.B. auch Bordsteinkantenh├Âhen erfasst oder die genaue Position von Liften und Rampen um so f├╝r Rollstuhlfahrer Informationen bereitzustellen, wo und wie sie an ihr Ziel gelangen k├Ânnen – m├Âglich gemacht durch freiwillige Mitstreiter, die in ihrer Freizeit mit GPS Ger├Ąt und Meterma├č durch die Gegend ziehen und die erfassten Daten der Community bereitstellen.

OpenAccess st├Â├čt hier in das gleiche Horn: Daten, speziell Forschungsergebnisse, sollen frei zug├Ąnglich sein, so dass sie von jedem genutzt werden k├Ânnen. Aber auch hier kommt, wie so oft, die Frage nach der Verg├╝tung auf, weil die Forscher m├╝ssen ja auch von was herunterbei├čen – Rechnungen zahlen sich nicht mit Gotteslohn, leider. Hier bin ich gespannt zu erfahren, welche Modelle er f├╝r den OpenAccess Ansatz gibt und was davon bereits umgesetzt wird.

Damit m├Âchte ich meinen Eintrag schlie├čen und bedanke mich f├╝rs Lesen.

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2 thoughts on “Textverarbeitung vs. Textsatz – auf welcher Seite der Macht stehst Du?

  1. Ja, ich stimme Dir zu…. ich bin auch seit langem ein Verfechter der opensource idee. Allerdings stehe ich in meinem Bereich ziemlich alleine da. Das hat viele Gr├╝nde=
    1) man kennt eben die Word-Schiene von klein auf
    2) man hat Angst Neues auszuprobieren
    3) man ├╝berlegt: was denkt meine Umwelt von mir wenn ich opensource nutze 4) man hat Bef├╝rchtungen in Bezug auf die Kompatibilit├Ąt der Ergebnisse
    5) man ist einfach zu bequem sich umzustellen und scheut den Aufwand
    6) und ganz wichtig… man kennt die opensource Alternative schlicht weg nicht und kann somit auch nicht vegleichen
    Hier ergibt sich ein lohnenswertes und reichhaltiges Bet├Ątigungsfeld. Ich werden im Herbst in meinem Bereich (zum wiederholten Male) versuchen meine Arbeitskollegen auf die opensource Schiene zu bringen.

  2. Wir werden in der ├ťbung JabRef anschauen, das KBibTex recht ├Ąhnlich ist, aber plattformunabh├Ąngig.
    Ich sehe das ├Ąhnlich wie Sie, deswegen schrieb ich “Im Prinzip: eine .bib-Datei f├╝rs Leben”. Interessant wird das erst dann, wenn man ├╝ber l├Ąngere Zeit an einem Thema arbeitet und mehrere Publikationen zu diesem erarbeitet.

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